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 | Erinnerungen aus den Anfangsjahren |
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Erinnerungen aus den Anfangsjahren
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geschrieben von Hans Rein
Kurz nachdem die Stadt im Jahre 1954/55 die Sportanlage des Floschenstadions fertiggestellt hatte (Hauptkampfbahn und erster Hartplatz) wurde begonnen, im damaligen öden und wüsten Gelände, das sich an diese Sportanlage anschloß, Tennisplätze zu bauen. Die Initiative zu diesem Bau ging aus vom VfL, der auf Betreiben einiger tennissportbegeisterter Bürger sich für die Einführung des Tennissports in Sindelfingen stark machte. Zu erwähnen ist noch, daß bereits vor dem Krieg in Sindelfingen ein Tennisplatz an anderer Stelle stand, der während des Krieges zweckentfremdet wurde, indem man dort Gemüse anbaute. Noch bevor die Tennisplätze 1956 fertiggestellt waren, kam es zur Gründung der Tennisabteilung. Dies war schon deshalb wichtig, weil damit die Grundlage gegeben war, die Plätze sachkundig zu betreiben und die Stadt die Verwaltung dieser Anlage in die Hände des VfL und seiner Tennisabteilung legen konnte. Am 20. April 1956 wurde zur Gründungsversammlung der Tennisabteilung eingeladen. Laut der noch vorhandenen Anwesenheitsliste kamen 35 Personen dazu. Ein guter Tennisspieler konnte zu einem Einführungsreferat gewonnen werden. Allerdings begann die Gründungsversammlung mit einem Paukenschlag: der Referent wurde nach den ersten Sätzen, die er an die Versammlung richtete, unsicher, er wurde ohnmächtig und fiel unter den Tisch. Zum Glück war ein Arzt anwesend, der ihn in den Sanitätsraum des Stadions transportieren ließ und wieder auf die Beine brachte. In der Zwischenzeit wurde das heute noch vorliegende Referat verlesen. Darin wurden solch »tiefschürfende« Ausführungen gemacht wie: ». . . im allgemeinen ist es üblich, daß die Spieler sich in drei Gruppen teilen, und zwar in Ranglistenspieler, aus deren Reihen später die Spieler kommen, die den Verein bei Turnieren nach außen hin vertreten. Diejenigen Spieler, die keinen Wert darauf legen, in der Rangliste mitzuwirken, und die Jugendlichen...« Zur Ausrüstung und Bekleidung sagte der Referent: »Die übliche Tenniskleidung ist für Damen ein weißes Kleid oder weiße Shorts mit weißer Bluse für die Herren weiße Hosen, die nach Belieben lang oder kurz sein können und ein weißes Hemd, weiße Socken oder Kniestrümpfe und weiße Schuhe. Ob letztere aus Leder oder Tuch bestehen, bleibt jedem selbst überlassen.« Man schien tatsächlich davon ausgegangen zu sein, daß in Sindelfingen die Stunde »Null« im Tennissport begonnen hat. Es herrschten jedoch, was die Kleiderordnung anbetraf, sehr strenge Bräuche und ich erinnere mich noch gut daran, daß einige Jahre später einen Mitglied noch der Ausschluß aus der Abteilung angedroht wurde, weil er es wagte, bei kühler und regnerischer Witterung in einer langen ins Olivgrün gehenden Hose Tennis zu spielen. Wenige Wochen nach der Gründung der Abteilung waren bereits 65 Anmeldungen zu verzeichnen. Auch diese Liste ist noch vorhanden. Die Gründungsversammlung setzte sich wie folgt zusammen: Herr Ludwig Vollbrecht als Abteilungsleiter, weiter die Herren Bruno Müller, Fritz Paasch, Dr. Martin Rühle, Walter Georgii, Horst Jäschke, Karl Letzel, Günther Schieferer, Dr. Gerhard Ganzhorn, Christian Wagner und vom Vorstand des VfL die Herren Leopold Schäfer und Hans Rein. Die Werbetrommel mußte kräftig gerührt werden, damit die kleine Abteilung wuchs. Doch kurze Zeit später, bereits im Jahre 1957, war der Andrang der Sportbegeisterten so groß, daß aus Platzmangel bereits die erste Aufnahmesperre verhängt werden mußte. Im März 1957 wurde der erste Tennistrainer fest verpflichtet, es war Karl Stingel. Ein Chronist schreibt von ihm:» »... . . dieser Griff erwies sich als >Lucky Strike<, als glücklicher Griff, wie die spätere Zeit lehren sollte...«, das stimmt. Leider hat er uns allzufrüh verlassen müssen, doch alle, die Charly Stingel kannten, wissen, daß er durch seine sportliche Arbeit, aber auch durch seine menschliche Wärme sehr viel zum Aufbau unserer Tennisabteilung beigetragen hat. Dazu kam noch, daß sich über ihn sein Bruder Wilhelm Stingel und dessen Frau ebenfalls unserer Abteilung anschlossen. Wilhelm Stingel hat der damals noch jungen Abteilung aus seiner jahrzehntelangen, reichen Erfahrung als internationaler Tennisspieler sehr viel gegeben. Zu jener Zeit war es auch üblich, daß die Mitglieder des Ausschusses an den Wochenenden mit Hilfe der übrigen Mitglieder die Plätze herrichteten und spielbereit machten. Es war auch durchaus üblich, daß die Spieler Hand anlegten, um einen verregneten Platz trockenzulegen ohne Rücksicht darauf, ob man nun als Nächstfolgender zum Spielen dran war oder nicht. Alle Mitglieder waren froh, als 1958 das Umkleidehaus erbaut wurde, denn bis dahin stand ein transportables Kassenhäuschen aus Brettern mit einer Grundfläche von ca. 1 qm bei den Tennisplätzen. Dieses Häuschen diente als Aufenthaltsraum für den Platzwart und als provisorisches Umkleidehaus, als Geräteschuppen, eben für alles, was man unter Dach machen mußte. Das Umziehen geschah jedoch zumeist auf der grünen Wiese, nach dem Motto: Damen links und Herren rechts des Weges. Neben dem Bau des Umkleidehauses erstellte die Stadt weitere 2 Tennisplätze mit einer wetterfesten Auflage. Damals glaubte man etwas Zukunftsweisendes getan zu haben, denn der Belag der Tennisplatten bestand aus Betonplatten 50x50 cm. Dieser Bau geschah auf Empfehlung des Tennisbundes, der es seinerzeit als Non plus Ultra propagierte. Wir stellten jedoch bald fest, daß nicht nur der Belag viel zu hart war, sondern auch seine Rauhheit sich als »Tennisballvertilger« zeigte. Darüber hinaus entstand immer wieder Unebenheit, dadurch daß die Platten sich verschieden absenkten. Alle waren froh, als wenige Jahre später diese Hartplätze in normale Rotgrandplätze umgebaut wurden. Die Mitgliedsbeiträge wurden für das Gründungsjahr wie folgt festgelegt: Aktive Mitglieder 25 DM, Ehegatten 20 DM, Schüler 16 DM und Passive 10 DM. Interessant ist die Bemerkung in dem ersten Rundschreiben wegen der Beitragsregelung: »». . . die Senkung der ursprünglich vorgesehenen Beiträge ist einmal durch das Entgegenkommen der Stadt mit der Gestellung eines Platzwartes möglich geworden, und zum anderen mit Rücksicht darauf, daß zahlreiche Mitglieder der Abteilung in diesem Jahr erstmalig eine Tennisausrüstung angeschafft haben...« Im Jahr 1961 richtete die Abteilungsleitung - sehr vornehm, man benützte ein eigenes Briefpapier - an die Vereinsleitung ein Schreiben, wonach sie eine Zustimmung für eine Beitragserhöhung in Höhe von 40 bis 50% erbat. Der Erste Vorsitzende des Vereins, der damalige Bürgermeister und spätere Oberbürgermeister Arthur Gruber machte aber einen Strich durch die Rechnung. Er meinte, daß er zu 8 nächst einmal mit dem Bauausschuß des Gemeinderates verhandeln wolle, auf Kosten der Stadt im Jahr 1962 einen Tennisplatz mit einer Trainingswand zu erstellen, auch wurde der Abteilung mitgeteilt, daß in der Frage des Tennisplatzwartes von seiten der Stadt eine für die Abteilung annehmbare Lösung gefunden wird. Der Hauptausschuß und der Vorstand des VfL meinten deshalb: »>. . . daß der VfL Sindelfingen nicht ohne zwingende Gründe von dem schon bei der Gründung der Tennisabteilung vertretenen Standpunkt abgehen kann, daß in Sindelfingen und damit in unserer Tennisabteilung jedermann ohne Rücksicht auf seine finanziellen Verhältnisse Tennis spielen soll...« In den Anfangsjahren der Tennisabteilung wurde sehr viel gespielt. Es wurde zum Teil auch sehr gut gespielt. Es wurde aber auch, wie schon ausgeführt, sehr viel auf Äußerlichkeit und Etikette Wert gelegt, und oft war des Guten zuviel, so, wenn man z. B. einen Jugendlichen streng verwarnte, der es gewagt hatte, zu einer offiziellen Veranstaltung der Tennisabteilung ohne Krawatte zu kommen. Auch ging es damals, wie überall, nicht ohne innere Spannung ab, denn wo Menschen zusammenarbeiten und zusammen sind, treten eben solche Spannungen auf. Es kam jedoch nie zu ernsthaften Auseinandersetzungen, die dazu führten, daß man sich nicht mehr als Mensch und Sportfreund gegenübertreten konnte. Alle Mitglieder der Tennisabteilung waren bemüht, die Abteilung weiterzubringen und das hat sich Gott sei Dank bis zum heutigen Tage so fortgesetzt. Es war ein echter »Pioniergeist« vorhanden, nach dem Motto »nicht viel reden - sondern Hand anlegen«, und ohne diesen Pioniergeist wäre es nie möglich gewesen, das aufzubauen, was heute steht, und so möchte man sich wünschen daß dieser gute Geist auch heute noch in viel stärkerem Maße vorhanden ist. Vielleicht würden dann einige Mitglieder von der »Konsumentenhaltung« abrücken und ein wenig mehr »Teamgeist« zeigen.
Chronik
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Chronik - 45 Jahre Tennisabteilung Gründungsmitglieder
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